Ich weiß noch, wann ich zum ersten Mal mit einem Buch allein war. Es war ein Winternachmittag in München, das Licht schon grau, die Mutter in der Küche, und ich lag auf dem Bauch auf dem Wohnzimmerteppich, vor mir ein Bilderbuch, dessen Wörter ich noch nicht alle entziffern konnte. Und doch geschah beim Umblättern etwas, das ich später nie besser habe benennen können: Ich begriff, dass da jemand weitersprach, obwohl niemand im Zimmer war, und dass er zu mir sprach, zu niemandem sonst. Der Nachmittag ging zu Ende. Das andere blieb. Wenn ich heute ein Buch aufschlage, suche ich immer noch dasselbe, und ich schäme mich nicht, es zu sagen: dass mir jemand gegenübersitzt.
Dann kam Izmir, kamen die Gymnasialjahre, kamen deutsche Bücher, die in Koffern über das Mittelmeer reisten und deren Seiten nach Sommer rochen, wenn man sie im Winter öffnete. Später ein Studentenzimmer in Duisburg: Kafka auf dem Tisch, Schnitzler unter dem Bett, im Fenster eine Lampe, die bis zum Morgen brannte, weil man mit einer Novelle nicht schlafen gehen kann, bevor sie zu Ende ist. In jenen Jahren wurden die Bücher mir ein drittes Land. Es lag zwischen den beiden Sprachen, gehörte keiner, und war mir doch mehr Heimat als jede von ihnen. Wer einmal in diesem Land gelebt hat, will seine Grenzen erweitern; daher rührt mein Wunsch zu übersetzen. Es ist nichts anderes als der Versuch, das Zimmer, das man in der einen Sprache gefunden hat, auch in der anderen aufzuschließen.
Selbst Bücher zu schreiben ist eine andere Sache, und ich habe es lange nicht getan. Ich las, ich hörte zu, ich machte mir nach den Sitzungen Notizen, und ich hütete mich davor, sie zu etwas anderem zu machen als Notizen. Ich fürchtete, das Schreiben sei ein Verrat: dass man verkaufe, was einem anvertraut worden war. Bis mir eines Tages, ich weiß nicht mehr, an welchem, der Gedanke kam, dass ein Vorgang, der in einem Zimmer geschieht und dort bleibt, nur zwei Menschen gehört; niedergeschrieben aber gehört er allen, die ihn brauchen. So habe ich die Geschichten erfunden, die Namen vertauscht, die Orte verschoben, und nur die Begegnung selbst so gelassen, wie sie war. Daraus wurde das erste Buch. Das zweite entstand aus dem Wunsch, den Kolleginnen und Kollegen in einer einzigen Tasche zu übergeben, was ich in zwanzig Jahren zusammengetragen hatte. Und das dritte aus jenen Zeilen, die einem nachts ins Heft fallen und die man nicht wegwerfen kann, weil sie, so kurz sie sind, mehr wissen als man selbst.
In einer Novelle Schnitzlers kommt ein Mann gegen Morgen nach Hause und findet auf dem Kissen seiner schlafenden Frau die Maske, die er in der Nacht getragen hat. Sie ist der einzige Beweis dafür, dass die Nacht wirklich war. So sind mir mit den Jahren auch die Bücher erschienen: als Masken, die man auf einem Kissen zurücklässt, Beweise eines Lebens, das inzwischen weitergegangen ist. Der Autor geht; der Leser findet.
Diese Seite ist kein fertiges Regal, und ich hoffe, sie wird nie eines. Was noch kommt, wird hier hinzugefügt, sobald es erscheint: die Übersetzungen, an denen ich arbeite, ein Roman, der geduldig wartet, vielleicht eines Tages Dinge, für die mir heute noch der Mut fehlt. Vorerst sind es drei Bücher, drei Zimmer. In allen dreien wird dieselbe Frage gestellt, die auch in meinem Behandlungszimmer gestellt wird, jeden Tag, in anderen Worten: Wie erzählt ein Mensch sich selbst?
Ericksonsche Hypnose und Ego-State-Therapie: Klinische Wissenschaft und Praxis
Dies ist das erste Buch in türkischer Sprache, das die Ericksonsche Hypnose und die Ego-State-Therapie nicht nebeneinanderstellt, sondern als ein einziges klinisches Verfahren begreift. Es legt die theoretischen und wissenschaftlichen Grundlagen beider Ansätze dar, folgt ihnen in Fallbeispielen bis in die Praxis und zeigt, wo die eine Methode die andere braucht. Geschrieben ist es für Fachleute, die dieses Verhältnis verstehen und in ihre eigene Arbeit übernehmen wollen.
Der Bogen reicht von der Geschichte der Hypnose bis zu ihren gegenwärtigen Grundlagen, von Beziehung und Sprache über die Phänomene der Trance bis zur Ressourcenarbeit und zum Umgang mit inneren Anteilen. Was dahintersteht, sind mehr als zwanzig Jahre: die Ausbildung bei der Milton Erickson Gesellschaft, die Ego-State-Ausbildung bei Woltemade Hartman und Kai Fritzsche, und die Erfahrung, beides Jahr um Jahr im selben Zimmer angewandt zu haben.
Therapeutische Prozesse aus Ericksonscher und existenzieller Sicht · Nobel Bilimsel, 2026 · in türkischer Sprache
Therapie ist in diesem Buch nicht die Anwendung von Techniken, sondern eine Begegnung zwischen zwei Menschen, die ihre Richtung manchmal in einem Schweigen ändert und manchmal in einem einzigen Satz. Jede Geschichte führt den Leser näher an die Innenwelt eines anderen heran und lässt ihn dabei, beinahe unbemerkt, den eigenen Fragen begegnen, die schon lange still gewartet haben.
Die Geschichten gehen auf wirkliche Verläufe zurück, sind aber erfunden, verschoben und unkenntlich gemacht, so dass niemand sich darin erkennen wird außer vielleicht der Leser selbst. Geschrieben für Kolleginnen und Kollegen ebenso wie für alle, die wissen möchten, was hinter der Tür geschieht, wenn sie sich schließt; Fachwissen ist nicht nötig.
Anima Yayınları, Januar 2027 · in türkischer Sprache
Kurze Prosa und Gedichte; Zeilen, die sich am Rand längerer Texte gesammelt haben und nicht fortzuwerfen waren. Ein Satz, nach einer Sitzung ins Heft geschrieben, drei Zeilen aus einem Zug, eine Notiz am Rand eines fremden Buches. Über Jahre gesammelt, zum ersten Mal beisammen.
Das Buch erscheint im Januar 2027 bei Anima. Wer benachrichtigt werden möchte, schreibe mir.