Über mich
Ich bin im Jahr 1981 in München zur Welt gekommen, in einer Stadt, in der die Berge an klaren Tagen so nahe rücken, dass man meint, sie ließen sich zu Fuß erreichen. Dort ging ich zur Grundschule; mit elf Jahren zogen wir nach Izmir, an ein anderes Meer und in ein anderes Licht, und am Yunus-Emre-Gymnasium legte ich die Reifeprüfung ab. So lernte ich früh, was es heißt, zwischen zwei Sprachen zu wohnen: zu Hause Türkisch, in der Schule Deutsch, und nach dem Umzug alles umgekehrt. Man verliert dabei etwas und gewinnt etwas anderes; man gewinnt ein Ohr. Beide Sprachen liegen seither unter allem, was ich tue, wie zwei Fundamente unter einem Haus.
Mit achtzehn kehrte ich nach Deutschland zurück und blieb sieben Jahre an der Universität Duisburg-Essen, wo ich, was man mir damals als Unentschlossenheit auslegte, zwei Wege zugleich ging. Auf dem einen studierte ich Germanistik, Politikwissenschaft und Computerlinguistik; auf dem anderen Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaft. Am Ende standen zwei Abschlüsse, Magister Artium und Diplom, und zwei Abschlussarbeiten, die, wie ich erst später sah, um dieselbe Frage kreisten. Die germanistische, betreut von Jürgen Biehl und Siegfried Jäger, war eine psycholinguistische Untersuchung über Zweisprachigkeit und Identität, über Migranten, die nach sich selbst suchen, und über ihre Kinder. Die sozialwissenschaftliche, bei Dieter Oelschlägel, handelte von den türkischen Einwanderern in Deutschland, von Ausgrenzung und Zugehörigkeit. Ich hatte, ohne es zu wollen, meine eigene Geschichte zu einer Forschungsfrage gemacht.
Wenn ich damals Kafka las oder Schnitzler, so interessierte mich weniger, was sie erzählten, als der Augenblick, in dem ein Mensch anfängt, sich selbst zu erzählen: das Zögern davor, der erste Satz, die Stelle, an der er abbricht. Ich wollte, was ich im Text sah, auch in einem Zimmer sehen, mit einem wirklichen Menschen darin. Diese Neugier führte mich von der Literatur zur Sozialen Arbeit und von dort, auf Umwegen, zur Therapie.
Mein erstes Zimmer stand in Essen. Von 2005 bis 2009 arbeitete ich in der Sozialpsychiatrie, beim Arbeiter-Samariter-Bund und bei der Perspektive, mit Menschen, deren Diagnosen schwer wogen und deren Leben noch schwerer. Diese Jahre lehrten mich, was in keinem Lehrbuch steht: dass man einem Menschen auch in seinem schlimmsten Zustand gegenübersitzen kann, ohne wegzusehen und ohne zu fliehen. Schon vorher hatte ich im Jugendzentrum Klingerhuf in Neukirchen mit Jugendlichen gearbeitet, zwölf bis achtzehn Jahre alt, und dasselbe gesehen, nur lauter.
2010 ging ich zurück nach Izmir und eröffnete eine eigene Praxis. In denselben Jahren ließ ich mich bei Tahir Özakkaş in integrativer Therapie und in Hypnose ausbilden und vertiefte mich in die Persönlichkeitsstörungen, jene Gebiete der Seele, in denen man am längsten braucht, um gesehen zu werden. Dann Malta: von 2015 bis 2019 ein Beratungszentrum in Valletta, im selben Jahr die Mitgründung des European Psychotherapy Training Institute. Dann wieder Izmir, das Psikosentez-Institut, von 2018 bis 2025.
Meine eigentliche therapeutische Ausbildung aber erhielt ich in Wien, und ich glaube, es konnte keine andere Stadt sein. Am Österreichischen Trainingszentrum absolvierte ich das Therapeutische Propädeutikum nach dem österreichischen Psychotherapiegesetz, tausenddreihundertzwanzig Stunden, vom Gesundheitsministerium anerkannt, hundertzwanzig ECTS. Mein klinisches Praktikum machte ich an der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, in der Spezialambulanz für Borderline- und Persönlichkeitsstörungen. Wien gab mir mehr als ein Zeugnis. Den Beruf Freuds in der Stadt von Zweig und Schnitzler zu lernen, in Kaffeehäusern, in denen die beiden gesessen haben könnten, hat etwas in mir zusammengefügt, das vorher getrennt war; es steht im Hintergrund jedes Essays, den ich heute schreibe.
In Deutschland setzte ich die Ausbildung an Instituten fort, die von der Psychotherapeutenkammer anerkannt sind. Bei der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose: die Grundausbildung in Hamburg, die Aufbauseminare in München und Krefeld, die psychodynamisch-hypnotische Supervision in Tübingen bei Dirk Revenstorf und Rolf Durian. Die Ego-State-Ausbildung bei Woltemade Hartman und Kai Fritzsche, akkreditiert von Ego State Therapy International und Ego-State-Therapie Deutschland. Focusing nach Gendlin am Deutschen Focusing Institut, Körpertherapie bei Ulfried Geuter, Sexualberatung bei der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung, Traumarbeit am C. G. Jung-Institut in Köln. In Wien wurde ich vom Viktor Frankl Institut als Lehrender für Logotherapie und Existenzanalyse akkreditiert und lernte bei Johannes Wahala die systemische Sexualberatung.
In der Türkei schloss ich an der Istanbul Kent Universität den Master in Klinischer Psychologie ab, unter Bülent Kadri Gültekin, mit einer Arbeit über die Dialektisch-Behaviorale Therapie bei Borderline-Störungen, und an der Kıbrıs İlim Universität eine fünfjährige, tausendvierhundert Stunden umfassende Ausbildung in psychodynamischer Therapie. Dazu kamen, in Jahren, die ich nicht mehr genau zähle, Paar- und Familientherapie, Sexualtherapie, kognitive Verhaltenstherapie, Positive Therapie.
Ich zähle das nicht auf, um zu prahlen; Aufzählungen sind das Gegenteil von Literatur. Ich zähle es auf, weil mir ein Bild nicht aus dem Kopf geht: ein Handwerker, der einen Schraubenzieher braucht und in seiner Tasche nur Zange und Hammer findet. In der Therapie ist es nicht anders. Man muss das Werkzeug, das ein Mensch braucht, bei sich haben, wenn er kommt, und nicht erst dann besorgen. Ich habe Jahre damit zugebracht, diese Tasche zu füllen.
Seit vielen Jahren arbeite ich mit Erwachsenen, mit Paaren, mit Familien, und ich beobachte immer dasselbe: Die Methoden wirken, aber die Veränderung, die bleibt, geschieht in jenem Augenblick, in dem zwei Menschen einander wirklich sehen. Manchmal in einem langen Schweigen, manchmal in einem einzigen Satz, den man nicht vorbereiten kann. Die Ericksonsche Hypnotherapie hat mich gelehrt, wie man sich diesem Augenblick nähert; die Existenzanalyse, was man in ihm sucht. Beides sind bis heute die zwei Achsen, um die sich meine Arbeit dreht.
Seit 2026 lebe ich wieder in Deutschland. Das Meaning & Existence Institute, mit Sitz in London und München, habe ich gegründet, um diese Begegnung lehren zu können, soweit sie sich lehren lässt. Ich bilde Kolleginnen und Kollegen in Ericksonscher Hypnose, in Ego-State-, psychodynamischer und existenzieller Therapie aus; Klienten sehe ich in Deutschland und England persönlich, die in der Türkei online. Ich schreibe, ich übersetze, ich lektoriere. Es ist alles dieselbe Arbeit unter anderen Namen, und sie hat nur eine Frage: Wie erzählt ein Mensch sich selbst, und was geschieht mit ihm, wenn ihm jemand zuhört?
Und ich habe einen Sohn. Er hat mich gelehrt, was ich in keinem Behandlungszimmer hätte lernen können: dass man, um einen Menschen zu verstehen, zuerst in sein Tempo hinabsteigen muss. Die Stunden mit ihm sind die stille Seite, die unter allem liegt, was ich schreibe.
Drei Städte
Ich bin deutscher Staatsbürger und halte mich für einen Weltbürger, was sich nicht ausschließt. Mein Geist ist ein wenig Feuilleton und ein wenig Bohème: Ich reise gern und oft, und wo ich hinkomme, höre ich auf den Kaffee, auf die Straße, auf den Klang, den die Sprache eines Ortes hat, bevor man sie versteht.
Drei Städte liebe ich, und ich kann mich zwischen ihnen nicht entscheiden. In Wien ist das Kaffeehaus noch immer eine Institution: der Marmortisch, das Glas Wasser, das man nicht bestellt hat, die Zeitungen am Holzhalter, ein Ober, der niemanden drängt, weil er weiß, dass die Zeit dort anders vergeht. Eine Melange dauert drei Stunden, und niemand fragt; an diesen Tischen atmet die Welt von Zweig und Schnitzler noch. München spricht anders, leiser und mit mehr Himmel: das Rauschen des Eisbachs im Englischen Garten, ein Mittagsschlaf auf den Kieseln der Isar, abends im Biergarten die Fremden am selben langen Tisch, über allem das Licht der Alpen. Izmir aber heißt Meer: der Spaziergang am Kordon gegen Abend, der Imbat im Gesicht, die frühen Morgen der Küstenorte, ein Tee unter einem Olivenbaum in einem Bergdorf, ein Stuhl, den jemand vor die Tür gestellt hat.
Westlich von Izmir, in Urla, führt ein Weg zwischen Olivenhainen und Weinbergen zum Meer hinunter. Früh am Morgen dort zu gehen, nimmt einem die Müdigkeit, die bleibt, wenn man einen Satz zu oft geschrieben und gestrichen hat. Das Meer ist dort kein Schaufenster, sondern ein Nachbar; der Tag beginnt mit kurzen Wellen und endet mit einem kräftigen Wind. Steinhäuser, Artischockenfelder, ein kleiner Markt, auf dem niemand eilt. Urla erinnert mich daran, dass man zum Schreiben keinen Tisch braucht, sondern ein Tempo.
Menschen sind wie Bücher; der Vergleich ist alt, aber er stimmt. Die erste Seite sagt wenig über die folgenden, und die schönsten Sätze stehen selten am Anfang. Deshalb lerne ich gern neue Menschen kennen und rede lange mit ihnen, und ich frage sie nicht zuerst nach Titel, Beruf und Herkunft; ich frage sie als Menschen. Mitten in einem Gespräch einen Satz zu hören, den man nicht erwartet hat, gleicht dem Augenblick, in dem man mitten in einem Buch eine Seite zweimal liest.
Abschlüsse, Ausbildungen, Mitgliedschaften
- Abschlüsse
Magister Artium · Diplom-Sozialwissenschaftler · M.Sc. Clinical Psychology
Universität Duisburg-Essen (Germanistik, Politikwissenschaft, Computerlinguistik; Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaft), 1999–2006. Istanbul Kent Universität (Klinische Psychologie).
- Therapieausbildung
Psychotherapeutisches Propädeutikum, Wien
Österreichisches Trainingszentrum, 1320 Stunden, vom Gesundheitsministerium anerkannt. Klinisches Praktikum: Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, Spezialambulanz für Borderline- und Persönlichkeitsstörungen.
- Akkreditierungen
Klinische Hypnose, Ego-State, Focusing, Logotherapie, Sexualberatung, Positive Therapie
Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose (M.E.G.) · Ego State Therapy International (ESTI) · Ego-State-Therapie Deutschland (EST-DE) · Deutsches Focusing Institut (DFI) · Viktor Frankl Institut Wien (VFI), Lehrender für Logotherapie und Existenzanalyse · Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) · World Association for Positive and Transcultural Psychotherapy (WAPP).
- Weitere Ausbildungen
Psychodynamische Therapie, Körpertherapie, Paar- und Familientherapie, KVT, Traumarbeit
Kıbrıs İlim Universität (1400 Stunden psychodynamische Therapie) · Institut für körpertherapeutische Weiterbildung, Prof. Ulfried Geuter · Psikoterapi Enstitüsü, Tahir Özakkaş · Gebze Teknik, Istanbul Gedik, FSMVÜ · C. G. Jung-Institut Köln · COURAGE Wien, Johannes Wahala.
- Mitgliedschaften
ISH · ESH · M.E.G. · VFI · WAPP · DVP
International Society of Hypnosis, European Society of Hypnosis, Milton Erickson Gesellschaft, Viktor Frankl Institut Wien, World Association for Positive and Transcultural Psychotherapy, Deutscher Dachverband für Psychotherapie.
- Institutionen
Meaning & Existence Institute (MEI Global Ltd), London und München
Gründer und Leiter, seit 2025. Zuvor: Psikosentez-Institut, Izmir (2018–2025) · Dynamic Roots Ltd, Valletta (2015–2019) · Deutsche Psychologische Beratung, Izmir (2010–2013) · European Psychotherapy Training Institute, Gründungsmitglied (2015).