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Es gibt eine Art zu lesen, die der Literaturwissenschaft fremd und der Psychologie verdächtig ist: Man liest, als säße die Figur einem gegenüber. Man fragt nicht, was der Autor gemeint hat, und stellt keine Diagnose; man wartet, bis der Mensch im Text zu sprechen beginnt, und hört zu. Auf diese Weise lese ich seit Jahren, erst für mich, dann für die Klienten, die mir Kafka und Zweig, ohne es zu wissen, nacherzählten, und jetzt, jeden Dienstag, für Sie.
- Warum gehen Kafkas Uhren nicht gleich?Im Januar 1922, nach Wochen ohne Schlaf, schreibt Kafka einen einzigen Satz ins Tagebuch: Die Uhren gehen nicht gleich. Der Essay folgt ihm bis in das Schloss, das drei Wochen später begonnen wird, und in die Zimmer der Menschen, die heute zwischen einer inneren und einer äußeren Uhr leben, ohne Kafka je gelesen zu haben. Zum Original
- Eingeschlossen sein: Zweigs SchachnovelleEin Hotelzimmer, dessen Tür von außen geschlossen wird; ein gestohlenes Buch mit Meisterpartien; ein Geist, der gegen sich selbst zu spielen beginnt. Eine Lektüre von Zweigs Schachnovelle, die weniger nach dem Wahnsinn des Dr. B. fragt als nach der Geste, mit der er am Ende vom Brett aufsteht. Zum Original
- Tanpınar und die Psychologie des WartensEin einziger Tag in Istanbul, der letzte vor dem Krieg, und ein Mann, der auf ein Medikament wartet, auf die Nachrichten im Radio und auf eine Frau, die nicht wiederkommt. Über Tanpınars Roman Huzur, drei Arten des Wartens und die Kunst, sich in einem Wartezimmer einzurichten. Zum Original
- Schnitzlers Traumnovelle: die Grenze des BegehrensNach einem Maskenball gestehen sich zwei Eheleute, was nie geschehen ist; und von da an ist alles anders. Über Fridolins Nacht, Albertines Traum, die Maske auf dem Kissen und den ungeschriebenen Vertrag, den jede Ehe hat, bis er zum ersten Mal ausgesprochen wird. Zum Original
- Todesangst in Yaloms PraxisIn jedem Behandlungszimmer steht ein dritter Stuhl, auf dem niemand zu sitzen scheint. Über Irvin Yalom, der als einer der Ersten dorthin sah, über Rilkes Malte und Tolstois Iwan Iljitsch, und über die Kunst, den stillsten Gast nicht länger mit dem Rücken anzusehen. Zum Original